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Grand Step Shoes

Ort
Produktionsvolumen
Fabrikgröße
Arbeitszeiten

Std/Woche
Lohn

Gesetzlicher Mindestlohn

Hanoi, Vietnam
6.000 Paar täglich
800 Angestellte
7.00 Uhr bis 17 Uhr
inkl. 1 Stunde Mittagspause
48 h/Woche
4.5 Mio. Dong – 6 Mio. Dong monatlich
(ca. €184-245)
€94 to €137




AVESU VOR ORT // GRAND STEP SHOES

MASSSTÄBE SETZEN IN VIETNAM



Faire Arbeitsbedingungen und transparente Produktion waren für die Firma Grand Step Shoes von der Gründung an Teil des Konzepts. Auch deshalb wird ein Großteil der Schuhe der Marke in der EU hergestellt. Für die Produktion der Sneaker aber hat sich Gründer Philipp Schmenger für eine Fabrik in Vietnam entschieden. Dass das nicht automatisch Abstriche in der Qualität bedeutet, beweisen hervorragende Sneaker.

Wie aber sieht es mit der Fairness aus? Wir haben die Fabrik im Winter 2016 besucht, um uns ein Bild zu machen.

Nach etwa 40 min Zugfahrt vom Hauptbahnhof Hanoi erreicht man die 1975 gegründete Fabrik. Die Fabrik ist spezialisiert auf Canvassportschuhe, stellt an unterschiedlichen Standorten aber auch andere Produkte her. An diesem Standort in Hanoi arbeiten etwa 800 Angestellte, die an drei Produktionslinien bis zu 6.000 Paar Schuhe täglich (?) fertigen.

Im Lager der Fabrik finden sich die verschiedensten Materialien, die bei der Produktion zum Einsatz kommen. Für die Sneaker und -slipons von Grand Step Shoes wird ein Bio-Hanffaserstoff verwendet, der aus einer ökologisch arbeitenden Hanfmühle in China kommt, die mit dem OCS Standard (mind. 95% ökologische Materialien), GOTS Standard und Fair Wear Zertifikat ausgestattet ist.

»The Global Organic Textile Standard (GOTS) integrates all of the textile processing stages, from the fibre to the finished product: the raw fibre must be organic farming certified and all the manufacturing processes involved must be inspected. The aim of this standard is to guarantee the traceability, the use of chemical friendly with the environment and the consumer’s health, to ensure a quality system, a reduction of energy and to respect some social criteria.« Mehr zu diesen Zertifikaten hier:

In der Näherei arbeiten etwa 200 Näher_innen an 400 Maschinen. Mait Rang wohnt nur 3 km entfernt und arbeitet hier seit 20 Jahren. Inzwischen ist sie die Leiterin der Abteilung.

In der Gummiabteilung arbeiten bis zu 110 Angestellte daran, natürlichen Kautschuk aus dem Umland zu Schuhsohlen zu verarbeiten. Sie werden nach Größe, Profil und Marke ausgestanzt und sortiert und für die Vulkanisierung vorbereitet. Diese findet in großen Öfen statt, wo die Schuhe auf bis zu 160 Grad erhitzt werden, um den Kautschuk in Gummi zu verwandeln, das heißt, ihn elastisch und haltbar zu machen.

„Der Kommunismus Partei soll für immer strahlen“ steht auf einem Banner im Konferenzraum. Das Bild darunter zeigt Marx und Lenin, kommunistische Symbole und eine Büste Ho Chi Minhs. Obwohl die staatseigene Fabrik 2004 in eine staatliche Limited Company umgewandelt wurde und seit 2015 eine Aktiengesellschaft ist, erinnert dieser Raum daran, dass Vietnam eine sozialistische Republik ist.

Doch das hindert Unternehmen nicht daran ihre Produktionsstätten hierher zu verlegen. Die Textilund Schuhindustrie ist die zweitgrößte Industrie des Landes und exportiert hauptsächlich in die Vereinigten Staaten.

Der gesetzlich bestehende Mindestlohn wurde 2016 auf 94 bis 137 €, je nach Region, angehoben. Die Organisation Fair Wear Foundation beurteilt dies als einen wichtigen Schritt in der sozialpolitischen Entwicklung des Landes. Laut der Organisation sind die Hauptprobleme besonders die Umsetzung der Arbeiter_innenrechte im Bezug auf die Bezahlung von Überstunden, und, dass die Arbeiter_innen sich ihrer Rechte oft nicht bewusst sind und diese somit auch nicht einfordern.

Die Thuong Dinh Footwear Company arbeitet eng mit der Fair Wear Foundation zusammen. Seit April 2017 ist sie aktiv im Fair Wear Prozess der Organisation. (link) Anders als bei anderen Zertifikaten findet hier keine einmalige Kontrolle statt, die den Erhalt des Zertifikats bestimmt, sondern ein stetig laufender Prozess, in dem weite Bereiche der Fabrik und deren Arbeitsbedingungen wiederholt geprüft und optimiert werden.

Neben dem Ausschluss von Kinderarbeit und Diskriminierung liegt der Fokus des Fair Wear Prozesses auf Kriterien wie Organisationsfreiheit, dem Einhalten von Lohnstandards und geregelten Arbeitszeiten, sowie auf korrekten Arbeitsverträgen und der Bezahlung von Überstunden.

Nach einem ersten Audit entwickelt die Foundation einen CAP (Correction Action Plan) mit Verbesserungen, die dann bis zur nächsten Überprüfung umgesetzt werden müssen.

Die Fair Wear Foundation untersucht außerdem Beschwerden über ungenügende Standards oder nicht bezahlte Überstunden und führt Weiterbildungsprogramme für Arbeitnehmer_innen durch, die sie über ihre Rechte und deren Umsetzung weiterbilden. Mehr infos auf Fair wear (link)

Bereits jetzt sind alle Angestellten in der Fabrik sozialversichert und mit 1jahres, dreijahres und unbefristeten verträgen angestellt. Der Mutterschaftsurlaub beträgt 4-6 monate.

Auch in Umweltfragen ist die Fabrik anderen in Vietnam voraus. Bereits am Eingang das Geländes wirbt sie mit der (ISO-Norm 14001), die besagt, dass die Fabrik ein eigenes Umweltmanagementsystem hat und stetig an einem Umweltprogramm zur Reduktion von Abfällen, Abwasser und Emissionen arbeitet.

Junge Labels mit einem kleinen Produktionsvolumen wie Grand Step Shoes haben oft wenig Möglichkeiten eine gesamte Produktion auf ihre Bedürfnisse abzustimmen, besonders wenn es um ökologische Aspekte geht, und sind somit abhängig von den Bedingungen, die Fabriken ihnen anbieten. »Außer kleinen Familienbetrieben gibt es in Europa kaum Schuhfabriken, die sich komplett auf ökologische, nachhaltige und faire Produktionen konzentrieren. Hier ist uns die Textilbranche meilenweit voraus.«, stellt Philip Schmenger fest. Auch deshalb entschied er sich für die Fabrik in Vietnam, die er bereits seit 10 Jahren kenn »Umso mehr freuen wir uns, wenn wir eine so professionelle Firma an unserer Seite haben, die versucht, ihre eigene Entwicklung in Fairness und Nachhaltigkeit immer weiter voranzutreiben. «, sagt Schmenger. »Und damit auch die Entwicklung der gesamten Schuhbranche.«



© avesu 2017

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